Immobilienverkauf – Dauer und Kosten im Realitäts-Check.
Was ein Verkauf wirklich dauert und was er wirklich kostet – und warum die Antworten je nach Weg stark unterschiedlich ausfallen.
Stand: Oktober 2026 · Redaktionell verantwortlich: Maximilian Neumayr
Zwei einfache Fragen mit komplizierten Antworten.
Die beiden häufigsten Fragen am Beginn eines Verkaufsgesprächs: „Wie lange dauert das?“ und „Was kostet mich das?“.
Beide Fragen klingen einfach, haben aber komplizierte Antworten. Die Antworten hängen vom gewählten Verkaufsweg ab, vom Objekttyp, von der Marktlage, von Ihrer eigenen Mitwirkung, vom Stand Ihrer Unterlagen.
Dieser Ratgeber versucht, Ihnen realistische Orientierungswerte zu geben – basierend auf unserer Transaktionspraxis und den allgemein anerkannten Erfahrungswerten im deutschen Immobilienmarkt.
Die Phasen eines klassischen Maklerverkaufs.
Ein klassischer Maklerverkauf durchläuft in der Regel sechs Phasen: Vorbereitung, Objektaufbereitung, Vermarktung, Verhandlung, Vertragsphase, Abwicklung.
Realistische Zeitrahmen für jede Phase: Vorbereitung zwei bis vier Wochen. Objektaufbereitung eine bis drei Wochen (kann parallel zur Vermarktungsvorbereitung laufen). Vermarktung zwei bis sechs Monate, in schwierigen Marktphasen auch länger. Verhandlung zwei bis vier Wochen. Vertragsphase drei bis sechs Wochen für Vertragsgestaltung und Notartermin. Ist eine Seite Unternehmer und die andere Verbraucher, soll der Notar dem Verbraucher den Vertragsentwurf in der Regel zwei Wochen vor der Beurkundung zur Verfügung stellen (§ 17 Abs. 2a BeurkG); beim Verkauf zwischen zwei Privatleuten gilt diese Regelfrist nicht. Abwicklung drei bis sechs Wochen nach Beurkundung (Auflassungsvormerkung, Fälligkeitsvoraussetzungen, Kaufpreiszahlung).
Gesamt: Zusammengerechnet rund vier bis elf Monate bis zur Kaufpreiszahlung in einem gut laufenden Markt, in einem schwierigen Markt auch ein Jahr und länger. Bei komplexen Objekten (Mehrfamilienhäuser mit institutionellem Käuferkreis, Denkmalobjekte) kann es ebenfalls länger dauern.
Die Phasen eines Direktverkaufs an einen Bestandshalter.
Erstkontakt und erste Einschätzung.
Erste unverbindliche Preisspanne innerhalb eines Werktages, nachdem die Eckdaten vorliegen. Besichtigung in der Regel innerhalb einer Woche nach dem Erstgespräch.
Besichtigung und schriftliches Angebot.
Schriftliches Kaufangebot innerhalb von sieben bis zehn Werktagen nach der Besichtigung. Vierzehn Tage gültig.
Notartermin und Abwicklung.
Den notariellen Vertragsentwurf erhalten Sie in der Regel vierzehn Tage vor der Beurkundung (Regelfrist nach § 17 Abs. 2a BeurkG, wenn Sie als Verbraucher verkaufen). Die Beurkundung erfolgt in der Regel vier bis sechs Wochen nach dem Erstgespräch, im schnellsten Fall nach rund drei Wochen. Der Kaufpreis wird in der Regel zwei bis vier Wochen nach der Beurkundung gezahlt, also sechs bis zehn Wochen nach dem Erstgespräch. Komplexe Fälle (Erbengemeinschaft, Portfolio, Gewerbe, Genehmigungen, Vorkaufsrechte) können auch länger dauern.
Wovon die tatsächliche Dauer abhängt.
Die genannten Zeitrahmen sind Erfahrungswerte, keine Garantien. Fünf Faktoren verändern die Dauer spürbar:
- Vollständigkeit und Aktualität der Unterlagen (Grundbuchauszug, Flurkarte, Mietverträge, Baugenehmigungen).
- Klarheit der Eigentumsverhältnisse (einzelner Eigentümer vs. Erbengemeinschaft).
- Einigkeit auf Verkäuferseite (eine Person vs. mehrere mit unterschiedlichen Vorstellungen).
- Verfügbarkeit des Notars (in Bayern in Ballungsräumen teils mit langen Vorlaufzeiten).
- Bei vermieteten Objekten: Prüfaufwand der Mietverhältnisse und gemeindliches Vorkaufsrecht.
Die wichtigsten Kostenblöcke für Verkäufer.
Notarkosten.
Grunderwerbsteuer.
Energieausweis.
Vorfälligkeitsentschädigung.
Spekulationssteuer & Gutachten.
Kleinere Nebenkosten, die mitlaufen.
Neben den großen Blöcken summieren sich kleinere Positionen, die in der Gesamtrechnung schnell vergessen werden.
- Grundbuchauszug: aktuell rund 20 Euro.
- Flurkarte: aktuell rund 20 Euro.
- Kopien von Bauunterlagen beim Bauamt: je nach Umfang 50 bis 500 Euro.
- Eventuelle Entrümpelungskosten bei Verkauf im bewohnten/eingerichteten Zustand: 500 bis 5.000 Euro, je nach Haushaltsgröße.
- Eventuelle Sanitärmaßnahmen oder Malerarbeiten vor Besichtigungen: individuell.
Zeit ist ein Kostenfaktor.
Eine oft unterschätzte Kostenposition: Zeit. Wer sechs Monate statt acht Wochen bis zum Verkauf braucht, zahlt in dieser Zeit:
- Grundsteuer weiter.
- Hausgeld bei Wohnungseigentum.
- Versicherungen (Gebäude, Haftpflicht).
- Heizkosten im Leerstand (zur Vermeidung von Frostschäden und Schimmel).
- Strom und Wasser für Besichtigungen.
- Eventuell Gartenpflege.
- Entgangener Zinsertrag auf den gebundenen Kaufpreis.
Die Summe kann bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus schnell 2.000 Euro und mehr pro Monat ausmachen – bei Mehrfamilienhäusern deutlich mehr. Bei der Abwägung zwischen schnellerem und langsamerem Verkauf sollte diese Position immer mitgerechnet werden.
Der realistische Vergleich.
Nehmen wir ein Einfamilienhaus mit Verkaufspreis 800.000 Euro in Bayern.
Szenario A: Maklerverkauf in sechs Monaten. Maklerprovision (3,57 Prozent) 28.560 Euro, Energieausweis 400 Euro, Notarkosten Verkäufer 500 Euro, sechs Monate Haltekosten à 600 Euro macht 3.600 Euro, entgangener Zinsertrag auf Kaufpreis (3 Prozent pro Jahr) sechs Monate 12.000 Euro. Summe: 45.060 Euro, zuzüglich eventueller Spekulationssteuer.
Szenario B: Direktverkauf in acht Wochen. Keine Maklerprovision, Energieausweis 400 Euro, Notarkosten Verkäufer 500 Euro, acht Wochen Haltekosten à 600 Euro macht 1.200 Euro, entgangener Zinsertrag zwei Monate 4.000 Euro. Summe: rund 6.100 Euro, zuzüglich eventueller Spekulationssteuer.
Differenz zwischen den Szenarien: rund 39.000 Euro – also knapp 5 Prozent des Kaufpreises. Das Beispiel unterstellt für beide Wege denselben Kaufpreis. Erst wenn der Maklerverkauf einen rund 5 Prozent höheren Bruttopreis erzielt, gleichen sich beide Wege aus. Ob dieser Aufschlag gelingt, hängt von Objekt, Lage und Marktphase ab.
Häufig gestellte Fragen zu Dauer und Kosten.
01Wie schnell kann ein Verkauf im Ausnahmefall erfolgen?
02Welche Unterlagen sollte ich vorab bereithalten?
03Was kostet der Notar den Verkäufer wirklich?
04Was ist mit der Grunderwerbsteuer?
05Kann ich die Kosten der Vorfälligkeitsentschädigung vermeiden?
06Wer zahlt die Kosten des Energieausweises?
07Wie hoch sind die Gesamtkosten meiner Seite typischerweise?
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick (Stand: Oktober 2026). Er ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
Eine konkrete Einschätzung für Ihr Objekt.
Die wirtschaftliche Rechnung eines Immobilienverkaufs ist komplexer, als die Bruttopreisangabe auf den ersten Blick vermuten lässt. Rechnen Sie zwei Szenarien realistisch durch – den Direktverkauf und den klassischen Maklerverkauf – inklusive aller Nebenpositionen. Eine erste unverbindliche Einschätzung – inklusive Dauer und Ihrer zu erwartenden Kosten – erhalten Sie innerhalb eines Werktages, nachdem die Eckdaten vorliegen.