§ Ratgeber — 07

Immobilienmarkt München 2026 – Analyse, Einordnung, Konsequenzen.

Nach drei Jahren schwierigerer Marktlage haben sich die Preise weitgehend stabilisiert – seit dem Sommer 2026 steigen aber die Zinsen wieder. Was das für Verkaufsentscheidungen bedeutet – und was nicht.

Stand: Oktober 2026 · Redaktionell verantwortlich: Maximilian Neumayr

§ 01 — Ausgangslage

Ein intensiv beobachteter Teilmarkt.

Der Münchner Immobilienmarkt ist einer der intensivst beobachteten Teilmärkte Deutschlands.

Ein komplexes Zusammenspiel aus anhaltend hoher Nachfrage, historisch niedrigem Angebot, wechselnden Zinsbedingungen und regulatorischen Eingriffen macht jede Marktphase zu einer eigenen Konstellation – mit eigenen Chancen und eigenen Risiken für Verkäufer.

Dieser Ratgeber gibt einen strukturierten Überblick über den Münchner Markt, wie wir ihn als Bestandshalter wahrnehmen – unsere Unternehmensgruppe hält über 550 Einheiten. Er ist keine Hochglanz-Prognose und kein Werbematerial – er ist der Versuch einer nüchternen Einordnung, die Ihnen bei Verkaufsentscheidungen Orientierung geben kann.

§ 02 — Rückblick

Was seit 2022 passiert ist.

Zwischen 2010 und 2022 durchlief der Münchner Markt einen der längsten Preiszyklen seiner Geschichte.

Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser stiegen in dieser Zeit kräftig, in zentralen Lagen besonders stark. Die Mieten folgten mit Verzögerung, allerdings gedämpft durch regulatorische Eingriffe (Mietpreisbremse, Milieuschutz durch Erhaltungssatzungen).

Der Zyklus endete 2022 mit der Zinswende. Der durchschnittliche Effektivzins für neue Wohnungsbaukredite mit mehr als zehn Jahren Zinsbindung stieg laut Deutscher Bundesbank von 1,37 Prozent im Januar auf 3,75 Prozent im November 2022; ab Juli 2022 hob auch die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen an. Die Folge: Ein abrupter Nachfrageeinbruch im privaten Käufermarkt, weil Finanzierungen plötzlich deutlich teurer wurden. Die Kaufpreise gaben spürbar nach, mit erheblichen Unterschieden zwischen Lagen und Objekttypen.

2023 und 2024 waren durch eine Phase der Neu-Findung geprägt. Angebot und Nachfrage suchten ein neues Gleichgewicht. Die Zahl der Transaktionen sank deutlich – viele Eigentümer warteten lieber ab, viele Käufer konnten oder wollten nicht zum neuen Preisniveau kaufen. Nach unserer Beobachtung gewannen Käufer an Gewicht, die wenig oder gar keinen Kredit brauchen.

§ 03 — Aktuelle Lage

Die Lage 2026.

I.

Zinsumfeld.

Nach einer ruhigeren Phase sind die Zinsen 2026 wieder gestiegen. Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen im Juni und im September 2026 um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben; der Einlagensatz liegt seit dem 16. September 2026 bei 2,50 Prozent (Quelle: Europäische Zentralbank). Der durchschnittliche Effektivzins für neue Wohnungsbaukredite mit mehr als zehn Jahren Zinsbindung lag laut Deutscher Bundesbank im August 2026 bei 4,04 Prozent (vorläufiger Wert), nach 3,34 Prozent im Dezember 2024. So hoch war er zuletzt 2011. Für Käufer bedeutet das teurere Finanzierungen und weniger Spielraum beim Kaufpreis. Für Verkäufer bedeutet es: Realistische Preisvorstellungen werden wichtiger. Stand: Oktober 2026.
Ø Bauzins 08/2026: 4,04 %
II.

Preisniveau.

Nach den Preisrückgängen seit 2022 hat sich das Preisniveau weitgehend stabilisiert. Der Gutachterausschuss München stellte für 2025 bei Wohnimmobilien einen leichten Preisrückgang bis Stagnation fest; Eigentumswohnungen in durchschnittlichen und guten Lagen lagen im Mittel 2 Prozent unter dem Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2026 zeigten sich Eigentumswohnungen stabil – Bestandswohnungen im Mittel plus 1 Prozent, Neubauwohnungen in durchschnittlichen Lagen minus 2 und in guten Lagen plus 4 Prozent –, während Doppelhaushälften und Reihenhäuser in fast allen Teilmärkten günstiger wurden (Quelle: Gutachterausschuss München, Frühjahrsticker und Halbjahresreport 2026). Das Spitzenniveau von 2022 ist nach unserer Einschätzung noch nicht wieder erreicht.
Bestandswohnungen 1. Hj. 2026: +1 %
III.

Mietmarkt.

Die Mieten haben sich gegenläufig entwickelt. Während die Kaufpreise nachgegeben haben, sind die Mieten in München weiter gestiegen: Der Mietspiegel 2025 weist eine durchschnittliche Nettokaltmiete von 15,38 Euro pro Quadratmeter aus, 5,5 Prozent mehr als der Mietspiegel 2023 (Quelle: Landeshauptstadt München). Gründe sind nach unserer Einschätzung anhaltender Zuzug, sinkende Neubauaktivität und die Umschichtung aus Kauf- in Mietnachfrage. Das führt zu einer strukturellen Mietknappheit, die durch regulatorische Eingriffe nur bedingt gebremst wird.
Mietspiegel 2025: 15,38 €/m²
IV.

Angebot und Nachfrage.

Die Angebotsseite ist strukturell dünn. 2025 wurden in München 6.146 Wohnungen genehmigt, rund ein Viertel weniger als 2022 mit 8.098 (Quelle: Statistisches Amt München). Baurechtliche Auflagen, Baukosten und Zinsen haben viele Projekte unwirtschaftlich gemacht. Auf der Nachfrageseite bleibt München ein gefragter Zuzugsort. Das Missverhältnis wirkt preisstabilisierend.
Genehmigte Wohnungen: −24 % ggü. 2022
§ 04 — Konsequenzen

Was das für Verkäufer bedeutet.

Nach unserer Einschätzung ist der Münchner Markt 2026 weder klar verkäufer- noch klar käufergetrieben. Er ist ein Normalmarkt – in einem deutschen Großstadtkontext selten geworden.

Das bedeutet: Realistische Preiserwartungen werden in der Regel erfüllt. Überzogene Preisvorstellungen führen zu langen Vermarktungszeiten oder ausbleibenden Angeboten. Wer 2026 über einen Makler verkauft, sollte nach unserer Einschätzung mit einem Angebotspreis von höchstens 5 bis 10 Prozent über dem realistischen Marktwert starten – deutlich weniger als in der Boomphase üblich.

Unterschiede zwischen Objekttypen. Eigentumswohnungen zur Eigennutzung in gesuchten Lagen (Schwabing, Haidhausen, Maxvorstadt, Neuhausen) haben sich stabilisiert und zeigen wieder leichte Preisdynamik nach oben. Einfamilienhäuser in guten Lagen des Umlands sind schwerer zu verkaufen als Wohnungen in zentralen Lagen – die Käuferschicht ist enger, die Finanzierungsbeträge höher. Mehrfamilienhäuser profitieren von dem steigenden Mietniveau, das Ertragswerte stützt.

Vermietete vs. unvermietete Objekte. Die Schere zwischen vermieteten und unvermieteten Objekten hat sich nach unserer Beobachtung verringert. In der Boomphase waren unvermietete Eigentumswohnungen deutlich teurer als vermietete, weil Eigennutzer höhere Preise zahlten. In der aktuellen Marktphase ist der Abstand geschrumpft – weil weniger Eigennutzer im Markt aktiv sind und vermietete Objekte von steigenden Mieten profitieren.

Zinshaus-Markt. Der Münchner Zinshaus-Markt hat sich strukturell verändert. 2025 wurden laut Gutachterausschuss zwar 14 Prozent mehr Mehrfamilienhäuser verkauft, der Geldumsatz sank aber um 15 Prozent. Die Ertragsfaktoren, also der Kaufpreis im Verhältnis zum Jahresrohertrag, lagen in der Boomphase in zentralen Lagen nach unserer Beobachtung höher als heute. Als Maßstab für ein konkretes Haus taugen solche allgemeinen Marktbeobachtungen allerdings kaum: Je nach Lage, Zustand und Mietniveau weichen die Faktoren erheblich voneinander ab. Mehr dazu auf unserer Seite zum Zinshaus-Verkauf und zum Mehrfamilienhaus.

§ 05 — Lagen

Spezifische Lagen.

Die Marktlage unterscheidet sich erheblich nach Stadtteil und Mikromarkt.

Die klassischen Innenstadtlagen. Altstadt, Maxvorstadt, Ludwigsvorstadt, Haidhausen: Preisniveaus nach unserer Einschätzung spürbar unter dem Höchststand von 2022, inzwischen stabil. Die Zahlungsbereitschaft zahlungskräftiger Käufer ist zurückgekehrt, Transaktionen laufen wieder. Für Verkäufer in diesen Lagen bedeutet das: Der Markt ist funktionsfähig, aber die Preisfindung ist sachlicher geworden.

Schwabing und Umgebung. Schwabing-West, Schwabing-Freimann sowie Neuhausen und Nymphenburg zeigen nach unserer Beobachtung stabile bis leicht positive Preistendenzen. Die gemischte Mieterstruktur aus Akademikern, Familien und Kreativen macht diese Lagen zum Rückgrat des mittleren Preissegments.

Die Randlagen. Außenlagen und Umland haben nach unserer Beobachtung stärker auf die Zinswende reagiert. Pullach, Grünwald, Unterföhring, Planegg – in diesen gefragten Lagen der Region München liegt die Preiskorrektur nach unserer Einschätzung im mittleren einstelligen Bereich, aber die Transaktionszahlen sind niedriger. In weniger gefragten Randlagen und im weiteren Umland sind die Korrekturen stärker.

Mikromärkte mit eigener Dynamik. Bestimmte Teilmärkte folgen eigenen Regeln. In Erhaltungssatzungsgebieten (Milieuschutz), etwa in Teilen der Isarvorstadt und von Schwabing, bedürfen Rückbau, Änderung und Nutzungsänderung von Gebäuden einer Genehmigung; das prägt Käuferkreis und Preisbildung. Bei Neubauwohnungen entwickeln sich die Preise je nach Lage unterschiedlich. Wohnungen, die in der Hochpreisphase gekauft wurden, erzielen beim Weiterverkauf nach unserer Beobachtung teils weniger als den ursprünglichen Kaufpreis.

§ 06 — Ausblick

Ausblick: Was zu erwarten ist.

Seriöse Prognosen sind kurzfristig möglich, langfristig kaum. Unsere Einschätzung für 2026 und die unmittelbare Folgezeit:

Kaufpreise dürften sich in zentralen Münchner Lagen eher seitwärts bewegen. Der Zinsanstieg seit dem Sommer 2026 verringert den Finanzierungsspielraum vieler Käufer; deutliche Preissteigerungen erwarten wir deshalb kurzfristig nicht. Eine Rückkehr zu extrem niedrigen Zinsen erscheint unwahrscheinlich; wie sich die Zinsen weiter entwickeln, ist offen.

Das Mietniveau wird weiter steigen, gebremst durch regulatorische Eingriffe, aber nicht gestoppt. Der strukturelle Nachfrageüberhang wird anhalten, weil Neubau nicht in ausreichendem Umfang entsteht.

Die Zahl der Kaufverträge ist im ersten Halbjahr 2026 leicht gestiegen (plus 3 Prozent laut Gutachterausschuss München). Ob institutionelle Käufer zurückkehren, hängt stark von der weiteren Zinsentwicklung ab.

§ 07 — Strategie

Strategische Konsequenzen für Verkaufsentscheidungen.

I.

Eigennutzer-Objekte in zentralen Lagen.

Wer eine Eigentumswohnung in einer gesuchten zentralen Lage verkaufen möchte, findet 2026 einen funktionierenden Markt. Realistische Preisvorstellungen vorausgesetzt, sind Verkäufe über einen qualifizierten Makler möglich – mit Vermarktungszeiten von drei bis sechs Monaten. Der Direktverkauf an uns ist in solchen Konstellationen nicht zwingend die beste Wahl.
Maklerweg meist passend
II.

Vermietete Objekte.

Für vermietete Eigentumswohnungen und kleinere Mehrfamilienhäuser ist der Markt schwieriger. Der klassische Kapitalanleger-Käuferkreis ist dünner geworden, die Preisfindung für solche Objekte unsicherer. Ein Direktverkauf an einen Bestandshalter wie uns ist in solchen Konstellationen oft die effizientere Lösung.
Direktverkauf oft effizienter
III.

Mehrfamilienhäuser.

Bei Münchner Mehrfamilienhäusern ist unsere Perspektive am konkretesten. Der klassische institutionelle Käuferkreis (Versicherungen, Pensionskassen, offene Fonds) hat sich nach unserer Beobachtung in den letzten Jahren deutlich verkleinert. Private Käufer und mittelständische Bestandshalter wie unsere Unternehmensgruppe gehören derzeit zu den aktivsten Käufern. Direktverkäufe sind oft effizienter als die klassische institutionelle Vermarktung.
Mittelstand am aktivsten
IV.

Geerbte Immobilien.

Bei geerbten Immobilien spielen steuerliche und zeitliche Faktoren eine größere Rolle als reine Marktpreiserwartungen. Wer eine Immobilie erbt, die Liquiditätsbedarf erzeugt (Erbschaftsteuer), sollte nicht auf „den besten Zeitpunkt“ warten – der Zeitwert des gebundenen Kapitals übersteigt oft mögliche Preisvorteile einer späteren Marktphase.
Zeitwert vor Marktwartung
§ 08 — Fragen aus der Praxis

Häufig gestellte Fragen zum Marktumfeld.

01Sollte ich jetzt verkaufen oder warten?
Es gibt keine allgemeingültige Antwort. Wenn Sie keinen konkreten Liquiditätsbedarf und keinen steuerlichen Druck haben, kann Warten in zentralen Lagen eine Option sein – auf deutlich steigende Preise sollten Sie dabei aber nicht setzen. Wenn steuerliche Fristen, Erbauseinandersetzung oder Lebensveränderungen drängen, ist Abwarten selten die kostengünstigere Option.
02Warum sind die Preise überhaupt gefallen?
Primär wegen der Zinswende. Höhere Bauzinsen führen bei gleichem Einkommen zu niedrigeren finanzierbaren Kaufpreisen. Sekundär wegen allgemeiner Unsicherheit und gedämpfter Spekulationsneigung.
03Wird der Markt wieder boomen wie vor 2022?
Unwahrscheinlich in derselben Form. Ein moderater Preisanstieg ist auf längere Sicht möglich, aber die Dynamik der extremen Niedrigzinsphase wird sich ohne ähnlich extreme Rahmenbedingungen nicht wiederholen.
04Wie realistisch sind Makler-Einschätzungen in dieser Marktphase?
Das ist sehr unterschiedlich. Eine Maklerbewertung ist meist kostenlos und dient auch dazu, einen Vermarktungsauftrag zu gewinnen; manche Einschätzungen fallen deshalb eher optimistisch aus. Lassen Sie sich die Zahl mit konkreten Vergleichsverkäufen begründen und holen Sie mehrere Einschätzungen ein – auch unsere ist eine Einschätzung aus Käufersicht.
05Wie beurteilen Sie den Münchner Umlandmarkt?
Differenziert. Die sehr gefragten Umlandlagen (Grünwald, Pullach, Starnberg) zeigen Stabilität auf hohem Niveau. Schwächere Umlandlagen mit weniger starker Infrastruktur und höheren Pendeldistanzen haben stärker korrigiert.
06Wirkt sich die politische Lage auf den Markt aus?
Ja, aber schwer vorhersagbar. Regulatorische Eingriffe in das Mietrecht, Änderungen des Baurechts und steuerliche Reformen können den Markt in beide Richtungen beeinflussen. Wir beobachten solche Entwicklungen aufmerksam, aber wir spekulieren nicht auf sie.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick (Stand: Oktober 2026). Er ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

§ 09 — Gespräch

Was bedeutet das für Ihr Objekt?

Eine allgemeine Marktanalyse ersetzt keine individuelle Bewertung. Die Wertentwicklung Ihres konkreten Objekts hängt von seiner spezifischen Lage, seinem Zustand, seiner Mietstruktur und seiner rechtlichen Situation ab. Für eine konkrete Einschätzung rufen Sie uns an – innerhalb eines Werktages nach Eingang der Eckdaten erhalten Sie eine erste unverbindliche Preisspanne. Marktanalysen zu konkreten Objekten erstellen wir unverbindlich; kostenfrei sind sie, wenn ein Verkauf grundsätzlich in Betracht kommt.